Projektimpulse aus Kitas
Vertrauensperson & Kinderrunde
30. Juni 2025Im Kindergarten „Unter den Windrädern“ in Eckolstädt wählen die Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren jedes Jahr eine Vertrauensperson. Alle Mitarbeiter*innen des Kindergartens können von den Kindern mittels Bild und Muggelsteinen gewählt werden. Diese Vertrauensperson spielt eine wichtige Rolle im Alltag der Kinder und unterstützt sie dabei, ihre Anliegen und Probleme zu äußern. Jeden Montag findet eine Kinderrunde statt, die mithilfe eines großen Aufstellers in den Eingangsbereichen angekündigt wird.
Die Rolle der Vertrauensperson
Die gewählte Vertrauensperson ist eine sichere Ansprechperson für die Kinder. Sie hilft ihnen, sich in ihrer Umgebung wohl und sicher zu fühlen. Die Kinder können ihre Sorgen und Gedanken mit der Person teilen, und sie sorgt dafür, dass diese ernst genommen werden.
Rabe Cookie: Ein besonderer Begleiter
Zusammen mit der Vertrauensperson führt der Rabe Cookie, eine Handpuppe, durch die Kinderrunde. Cookie ist ein liebenswerter Rabe, der den Kindern hilft, ihre Emotionen auszudrücken und Lösungen für ihre Probleme zu finden. Durch den spielerischen Umgang mit der Handpuppe fühlen sich die Kinder ermutigt, offener zu kommunizieren.
Die Kinderrunde
Die Kinderrunde ist ein fester Bestandteil des Kindergartenalltags. Hier können die Kinder:
- Über Sorgen sprechen: Egal ob es sich um kleine oder große Probleme handelt, alles darf angesprochen werden.
- Lösungen entwickeln: Gemeinsam mit der Vertrauensperson und Cookie überlegen die Kinder, wie sie ihre Herausforderungen meistern können.
- Gemeinschaft stärken: Indem sie ihre Probleme und Lösungen teilen, lernen die Kinder, füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen.
Vorteile der Kinderrunde
Diese regelmäßigen Treffen fördern nicht nur das Selbstbewusstsein der Kinder, sondern auch ihre sozialen Fähigkeiten. Sie lernen, dass es in Ordnung ist, Hilfe zu suchen, und entwickeln ein Gefühl der Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit.
Insgesamt bietet die Kinderrunde den Kindern eine wertvolle Gelegenheit, in einem geschützten Rahmen ihre Stimme zu finden und gehört zu werden.
35 Jahre UN-Kinderrechte: Kinder der Kita BUNTE WELT entdecken das Recht auf elterliche Sorge
23. Oktober 2024Anlässlich des 35. Jubiläums der UN-Kinderrechte haben sich die Kinder der Kita BUNTE WELT intensiv mit ihren Rechten auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt stand dabei das wichtige Thema der elterlichen Sorge – ein Recht, das jedes Kind auf die liebevolle Fürsorge und Unterstützung seiner Eltern hat.
Im Rahmen eines kreativen Projekts verwandelten die Kinder Schuhkartons in farbenfrohe Erinnerungsboxen. Jeder Karton wurde von den Kindern mit besonderen Momenten und Erlebnissen aus ihrer Zeit mit ihren Eltern gestaltet. Mit Playmobil-Figuren stellten sie ihre Familien nach und zeigten stolz, wie vielfältig Familien sein können. Dabei lernten sie nicht nur, dass Familien unterschiedlich sein können, sondern auch, welche Rechte und Pflichten Eltern haben. Es war eine spannende Zeit des Entdeckens, in der die Kinder erfuhren, was Eltern dürfen und was nicht.
Zum Abschluss des Projekts fand ein Kinderfest an der Kinderrechtstafel statt, das in Zusammenarbeit dem lokalen Aktionsplan/Partnerschaft für Demokratie im SHK (LAP) und dem Demokratieladen, in Trägerschaft des Bildungswerks Blitz e.V., organisiert wurde. Ein besonderer Höhepunkt war die Enthüllung einer neuen Seite der Kinderrechtstafel, die von Kindern gestaltet wurde.
Eltern und Besucher:innen hatten zudem die Möglichkeit, die farbenfrohen Kartons in einer Ausstellung zu bewundern. Stolz erzählten die Kinder von ihren Erlebnissen und ihren Familien, während alle gemeinsam das Jubiläum der Kinderrechte feierten. Ein Vormittag voller Freude und wertvoller Erkenntnisse für Groß und Klein.
Kita Koffer der Vielfalt
7. Juni 2024Seit Anfang 2024 geht im Eichsfeld ein Koffer auf die Reise durch die Kitas. Entwickelt wurde dieser von der Partnerschaft für Demokratie im Eichsfeld. Ziel des Koffers ist es, Vielfalt spielerisch zu begreifen und einen Grundstein für demokratisches Verständnis zu legen.
Material im Koffer
- Material zum freien Spielen
- Kooperationsspiele
- Bücher, die etwas mehr Begleitung durch Erwachsene erfordern
- Anregungen für Aktivitäten in der Gruppe
- Handpuppen
Themen, die angesprochen werden
- Behinderung
- Vielfalt in der Familie
- ethnische Herkunft/Hautfarbe sowie Rassismus
- Körpervielfalt
- Rollenklischees (z.B. Farben)
- Partizipation und Kinderrechte
Da das Material sehr umfangreich ist, setzen die Kitas meist einen Schwerpunkt auf ein Thema. In einem beiliegenden Logbuch können die Kitas Ideen, Tipps und Anmerkungen zur Arbeit mit dem Koffer festhalten, so dass andere Kitas, die den Koffer ausleihen, davon profitieren können. Mithilfe der Rückmeldungen aus einem Feedback-Bogen kann der Koffer stetig weiterentwickelt und ergänzt werden.
Präventionsprojekt „Mein Körper gehört mir!“ – Kinderhaus Regenbogen in Meiningen
27. März 2024„Echte Schätze!“ – für die Prävention von sexuellem Missbrauch mit der „Starke-Sachen-Kiste“ in Kindertagesstätten, Petze-Verlag
Seit diesem Jahr führen wir in unserer Einrichtung im Rahmen des Schulanfängerclubs das Präventionsprojekt „Mein Körper gehört mir“ durch. Fachlich begleitet wird das Projekt von einer Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendschutzdiensts vor Ort, die auch die Materialien zur Verfügung stellt.
Die Präventionsbotschaften der 5 Einheiten sind:
- Meine Gefühle sind richtig und ich kann ihnen vertrauen
- Ich kann zwischen angenehmen und unangenehmen Berührungen unterscheiden
- Ich kenne den Unterschied zwischen guten und schlechten Geheimnissen
- Ich hole mir Hilfe, wenn ich etwas allein nicht schaffe
- Ich darf Nein sagen und habe keine Schuld, wenn mir etwas passiert
Jede Woche gibt es einen neuen helfenden Gegenstand, den die Katze Kim (Handpuppe) aus ihrer Schatztruhe zaubert und der den Kindern einen Zugang zum Thema aber auch eine Gedankenstütze für Alltagssituationen danach anbieten soll. So befindet sich zum Beispiel in der 4. Woche ein goldenes Megaphon in der Schatztruhe, dass daran erinnert, wie wichtig es ist, sich Hilfe zu holen, wenn ich allein nicht weiter komme.
Kleine Rituale, wie z.B. der Kinderschutz-Rap, der in jeder Einheit gemeinsam gesprochen und mit Bewegungen begleitet wird, helfen den Kindern beim Verinnerlichen der Hauptaussagen des Projekts.
Das Projekt soll Kinder spielerisch in ihrem Ich stärken und Missbrauch präventiv begegnen.
Das Programm ist für 5 Wochen konzipiert und findet in 45-60 Minuten-Einheiten für Vorschulkinder statt. Unter Anwendung verschiedenere Materialien (Bilderbuch, Handpuppe, Schatzkiste, Lieder, Bastelmaterial, Spiele etc.) entsteht eine abwechslungsreiche pädagogische Einheit.
Zum Abschluss erhält jedes Kind eine Urkunde, für die es während des gesamten Projekts Sticker passend zu den Einheiten sammeln kann.
Kinder im Kindergartenalter können durchaus Erfahrungen mit Missbrauch und Übergriffen machen. Deshalb ist es wichtig, Kinder schon sehr früh zu stärken und ihnen Sicherheit zu vermitteln. Das Projekt unterstützt die Einrichtungen mit gut strukturiertem und fundiertem Material, das den Einstieg ins Thema leicht macht.
Aus den Erfahrungen in unserer Einrichtung mit diesem Projekt können wir rückmelden, dass es nicht nur unglaublich wichtig ist, mit Kindern diese Themen zu besprechen, sondern dass die Kinder auch etliche Erfahrungen und Wissen mitbringen. Wir haben erlebt, dass sich die Kinder leicht öffnen, einen guten Zugang zum Thema finden und die Gespräche mit vielen eigenen Beispielen bereichern können. Außerdem hat es auch hinterher in unserer Einrichtung nachgehallt und hat in den verschiedensten Alltagssituationen immer wieder Einzug gehalten. Insgesamt können wir sagen, dass die Kinder gestärkt und mit einem guten Handwerkszeug aus diesem Projekt herausgehen und empfehlen es gerne weiter.
Bei Fragen können Sie sich auch gerne an uns wenden.
Katrin Karte und Senta Krauß, Kinderhaus Regenbogen, Meiningen
Gelebte Willkommenskultur – Herzlich Willkommen in der Kita St. Bonifatius!
16. März 2023In der Südstadt Leinefeldes, in der Mitte einer Einfamilienhaussiedlung und zahlreicher Plattenbauten, liegt die Kindertagesstätte St. Bonifatius. Schon vor dem Projektstart kannte das Team die vielfältigen Bedarfslagen der Familien, mit den Ressourcen aus dem Projekt konnte es sie ganzheitlich aufgreifen.
Wenn die Familien am Morgen in den Kindergarten kommen, werden sie von der Mitarbeiterin aus dem Steuerungsteam an der Rezeption begrüßt. Alle Kinder und ihre Eltern kennen Frau Laube und wissen, dass sie eine wichtige Ansprechpartnerin in der Einrichtung ist. Nachdem die Eltern ihre Kinder in die Gruppe begleitet haben, kommen sie wieder bei Susanne Laube vorbei und holen sich wichtige Informationen oder bekommen sie direkt von der Mitarbeiterin. Termine für Entwicklungs- und Elterngespräche vereinbart Frau Laube mit den Eltern, Informationen zu Ausflügen und anderen Höhepunkten des Kita- Alltags erhalten sie ebenso von ihr. Das Team der St. Bonifatius spürt deutlich die Entlastung durch diese wichtige personelle Ressource. Die Mitarbeiter:innen in den Gruppen können sich voll und ganz auf ein bedürfnisorientiertes Ankommen der Kinder konzentrieren.
Den kleinen Monatsbeitrag für die Kindergarten-Vesper bezahlen die Eltern an der Rezeption. Die Einrichtung hat schnell die Auswirkungen von Armut auf die Kinder erkannt und festgestellt, dass nicht alle Familien in der Lage sind, ihre Kinder mit einem gesunden und abwechslungsreichen Nachmittagssnack in die Kita zu schicken, deshalb hat das Team sich das armutssensibel zur Aufgabe gemacht, den 48 der 70 Familien empfangen Transferleistungen.
Ebenfalls unterstützt Frau Laube das Team mit Übersetzungen wichtiger Informationen und Aushängen. 27 Familien mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung besuchen den Kindergarten. Um Sprachbarrieren zu minimieren oder zu überbrücken, arbeitet das Steuerungsteam mit einem Übersetzungsgerät, aber auch mit verschiedenen Bildkarten und Piktogrammen. Das Mittagessen wird im Eingangsbereich in Bildform ausgehangen und über einen Sprachbutton vorurteilsbewusst für Menschen, die die Schriftsprache nicht oder nur bedingt beherrschen, ausgegeben.
Auch die religiöse Vielfalt der Familien wird in der Einrichtung aufgegriffen. In enger Zusammenarbeit mit dem Pfarrer haben die Kinder die Möglichkeit, ihren Glauben zu leben und für andere erfahrbar zu machen. Das ermöglicht den Kindern, den Familien und den Pädagog:innen, Religionen zu verstehen und erhöht die Sensibilität füreinander.
Das Team des Kindergarten St. Bonifatius konnte sich im Projektzeitraum hinsichtlich der diversitätssensiblen pädagogischen Arbeit stärken. Diese Ressourcen werden bleiben und nun auch nachhaltig konzeptionell verankert. Der Kindergarten St. Bonifatius ist ein gutes Beispiel für den professionellen Umgang mit Heterogenität in Kindertagesstätten.
Alexandra Ahrens (Verbund 3) Jugendsozialwerk Nordhausen e.V.
Das Eingewöhnungsbüchlein der Kita Abenteuerland in Jena
9. Januar 2023Mit unserem Eingewöhnungsbüchlein wollen wir alle neuen Kinder und ihre Familien in unserer Einrichtung Willkommen heißen.
In der Gestaltung unseres Eingewöhnungsbüchleins haben wir mit dem U3 Bereich begonnen. Das Gruppen-Maskottchen Knolli begrüßt darin die Kinder und führt sie Seite für Seite durch die Räume des U3 Bereiches. Mit wenigen Worten erklärt Knolli, wofür die Räume da sind und was man darin tun kann.
Alle neuen Familien, die im U3 Bereich Eingewöhnung haben, bekommen so ein Büchlein mit nach Hause. Dort können sie es sich gemeinsam anschauen und vorlesen. Auch Familienmitglieder, die noch nicht mit in der Einrichtung waren, beispielsweise Großeltern, können sich durch das Eingewöhnungsbüchlein ein Bild unserer Einrichtung machen.
Ist die Eingewöhnung abgeschlossen, geben die Familien das Büchlein wieder in unserer Einrichtung ab und die nächste Familie kann es mit nach Hause nehmen. Wir haben das Eingewöhnungsbüchlein in mehreren Ausführungen unter anderem auch auf Englisch. Für die Zukunft ist angedacht, das Büchlein noch in weiteren Sprachen und für die Ü3 Bereiche anzufertigen.

Wie ist das Büchlein entstanden?
Wir haben Bilder von allen für die Kinder wichtigen Räumen gemacht. Digital wurde das Maskottchen und der Text auf den Bildern hinzugefügt. Die fertig bearbeiteten Bilder wurden im A5 Format ausgedruckt, laminiert und mit Ringen zusammengebunden. Veränderungen können somit zu jeder Zeit vorgenommen werden.
Das Feedback der Eltern zum Büchlein ist sehr positiv ausgefallen. Zum einen fühlen sie sich mit dem Eingewöhnungsbüchlein noch mehr Willkommen. Den Kindern sind in den folgenden Tagen der Eingewöhnung die Räume nicht mehr ganz so fremd. Familienmitglieder, die nur selten oder gar nicht in der Einrichtung sind, können sich zum anderen ebenfalls durch das Büchlein ein Bild machen.
Unser Eingewöhnungsbüchlein wird gut angenommen und ist ein kleiner Erfolg!
Sandra Kolbe, Kita Abenteuerland Jena
Bilder: Sandra Kolbe
Pädagogik der Vielfalt zum Sommerfest im Kindergarten „Saaletalzwerge“ in Dorndorf-Steudnitz
22. September 2022Unsere Steuerungsgruppe machte es sich zur Aufgabe, das Projekt „Vielfalt vor Ort begegnen“ zum Sommerfest des Kindergartens „Saaletalzwerge“ in Dorndorf-Steudnitz zu repräsentieren und nach außen zu vertreten. An unserem Stand während des Festes thematisierten wir individuelle Unterschiede und die Freiheit der Gefühle.
Jede und jeder ist gleich viel wert, egal welche sichtbaren und unsichtbaren Diversitätsmerkmale wir haben. Vielfalt kann ganz unterschiedliche Formen haben. Eine Papiermenschenkette an unserem Stand sollte Symbol dafür sein. Jede und jeder die/der zu uns kam, hatte die Möglichkeit, mit Stiften sich selbst realistisch abzubilden. Unterstützt haben dabei Fragen wie:
- Welche Farbe hat meine Kleidung?
- Welchen Teint hat meine Haut?
- Welche individuellen, körperlichen und äußerlichen Merkmale und Eigenheiten habe ich?
Jede und jeder ist anders und einmalig. Und doch sind wir alle gleich. Gerade Kinder sollten vorurteilsbewusst erzogen werden, um sie in ihrer eigenen Identität zu stärken.

Zur Identitätsstärkung gehört für uns auch das Zeigen von Gefühlen. Jeder Mensch ist mal glücklich, mal traurig, mal zornig oder wütend. Mit pädagogischem Material, wie Emotionsbausteinen oder Literatur von „Paula und die Kistenkobolde“, wollten wir Groß und Klein neugierig machen. Beim Herstellen von bunten Knetbällen kamen wir mit Kindern, Eltern und Gästen über verschiedene Emotionen ins Gespräch. Den mit Mehl befüllten Ballons durfte noch ein Gesicht aufgemalt werden. An den entstandenen witzigen Knautschbällen mit Woll- und Wuschelkopf-Frisur dürfen Ärger, Stress, Angst, Wut oder andere Emotionen ausgelebt werden.
Für uns war es ein abwechslungsreicher und anregender Nachmittag. Wir haben mit Begeisterung eine lange Menschenkette und fantasiereiche Knetbälle hergestellt. Wir kamen mit vielen Menschen ins Gespräch und konnten so informativ sowie kreativ unsere Auffassung zum Projekt abbilden und zum Ausdruck bringen:
„Vielfalt sollte als Ressource wertgeschätzt und als Chance gesehen werden.“
Antonia Göppner und Julia Bergmann
Kindergarten „Saaletalzwerge“ (Dorndorf-Steudnitz)
Bilder: Julia Bergmann und Antonia Göppner
QUERLINIO: eine inklusive, frühkindliche Eltern-Kind-Gruppe in der KiTa Schwabenhaus (Jena)
21. Juli 2022Beim Querwege e.V. ermöglichen wir mit dem Eintritt in den Kindergraten ein bewusstes, wertfreies Erleben von Vielfalt. Nach 18 Jahren Berufserfahrung und unzähligen Erstgesprächen war uns das in der KiTa Schwabenhaus nicht mehr genug. So saßen Eltern von Kindern, welche nicht der sogenannten Norm entsprachen, oft weinend vor uns und gewährten uns einen Einblick in das erste Jahr mit ihrem Baby, welches oft durch wenig Unterstützung oder auch Rückzug geprägt war.
Natürlich gibt es unzählige Eltern-Kind-Kurse. Das Feedback von Eltern, welche Kinder mit Integrationsbedarf haben, war aber fast immer: „Nein, da sind wir nicht hin. Wir wollten uns nicht erklären. Wir wollten nicht ‚die mit dem behinderten Kind‘ sein.“
Durch das Projekt „Vielfalt vor Ort begegnen“ konnten wir endlich unser langersehntes Projekt Querlino ins Leben rufen. Damit wollen wir ganz bewusst einen Raum für Eltern und Kinder mit Behinderung schaffen, jedoch nicht separat, sondern inklusiv. Die ersten beiden Kurse starteten im März 2022 und für 10 Wochen hatten wir die Möglichkeit, unsere Idee gemeinsam mit 11 Eltern(-paaren) umzusetzen. Im Fokus dieser Erprobungsphase stand, uns auszuprobieren, Erfahrungen als Kursleitende zu sammeln und die verschiedenen Bedarfe genauer auszuloten. Und diese waren auch für uns erstaunlich! Eine Mutter erzählte uns, dass sie sich schäme, ihr Kind in der Öffentlichkeit mit der Flasche zu füttern, da sie nicht mehr stillen könne. Eine andere Mutter bekam häufig Bemerkungen aufgrund des hohen Nähebedürfnisses ihrer 6 Monate alten Tochter und ihrer Bereitschaft, ihr genau dieses zu erfüllen. Für uns stellte sich nun die Frage: „Wo fängt Vielfalt eigentlich an?“ Für uns nicht durch eine Diagnose! Vielfalt fängt dort an, wo es uns schwerfällt, z.B. individuelle Erfahrungshintergründe und persönliche Bedürfnisse nicht zu verurteilen. Querlino möchte genau das: ein wertfreien Raum für alle Eltern mit ihren Kindern, in welchem sie mit allem kommen können, was sie haben und sind! Wir möchten den Kurs nach den Bedürfnissen der Eltern ausrichten und individuell gestalten. Wir wollen unsere stillen oder lauten Urteile reflektieren, hinterfragen und Vielfalt als Normalität verstehen: als eine Ressource.

Im Sommer 2022 beginnt eine unserer Fachkräfte die Ausbildung zur Kursleiterin. Grundlage dafür wird das Konzept von Fenkid sein, welches unsere Werte widerspiegelt. Danach steht dem offiziellen Start von Querlino im September 2022 nichts mehr im Weg.
Text: Sindy Strauß & Josefine Graf, KiTa „Schwabenhaus“ (Jena)
Sozial-emotionales Kompetenztraining für die Kinder der integrativen Kindertagesstätte „Schatzinsel“ Jena
21. März 2022Kinder begegnen mit Beginn ihrer schulischen Laufbahn einer Reihe von Aufgaben, die über die unterrichtsbezogenen Inhalte hinausgehen, wie beispielweise die Integration in den Klassenverband, die verbale Konfliktlösung, die Einhaltung bestehender Regeln und den angemessenen Umgang mit Lob, Kritik, Enttäuschung sowie mit den eigenen Gefühlen und denen anderer. Für einen erfolgreichen Schulstart benötigen Kinder daher auch ein hohes Maß an sozialen und emotionalen Kompetenzen, die bereits im Kindergartenalltag gefördert werden können.
Vor diesem Hintergrund erfolgt im Rahmen des Projekts „Vielfalt vor Ort begegnen“ eine intensive Beschäftigung mit der sozial-emotionalen Entwicklung von Kindern im Kindergartenalter. Im Zuge dieser Auseinandersetzung etablieren wir ein Förderprogramm für die Vorschulkinder, welches auf der Grundlage des wissenschaftlich evaluierten Programms „Lubo aus dem All!“ nach Hillenbrand, Hennemann und Schell (2016) die Förderung der eigenen sozialen und emotionalen Kompetenzen zum Ziel hat.
Seit März 2022 führen wir dieses Förderprogramm in unserer Einrichtung durch. Dabei nehmen unsere beiden Vorschulgruppen fortlaufend bis zum Schuleintritt wöchentlich an den Kompetenztrainings teil. Das Programm besteht aus fünf aufeinander aufbauenden Phasen, in denen die Kinder Woche für Woche mehr Fähigkeiten in der Gefühlswahrnehmung und -regulation sowie im angemessenen sozialen Miteinander erlernen. So werden die Förderung der eigenen Aufmerksamkeit und Wahrnehmung von Personen und Situationen, das Erkennen und Deuten von Emotionen sowie Strategien der Emotionsregulation und angemessenes Verhalten in verschiedenen sozialen Situationen spielerisch innerhalb eines Problemlösekreislaufs erprobt und gefördert. Alle Trainingseinheiten werden dabei durch die Handpuppe „Lubo“ begleitet. Lubo ist ein Außerirdischer, der die Erde besucht und mehr über Gefühle, den Umgang mit diesen und soziale Interaktionen erfahren möchte.
Die wissenschaftliche Auswertung des Programms zeigt, dass die geförderten Kinder signifikant über mehr sozial angemessene Strategien zur Lösung sozialer Probleme und Konflikte verfügen als vor dem Programmdurchlauf bzw. im Vergleich mit einer Kontrollgruppe. Diese Effekte zeigen sich dabei sogar als Langezeiteffekte. Kinder, die an dem Programm teilgenommen haben, werden besser in die Gruppe integriert, können mehr Freundschaften aufbauen und zeigen sich deutlich weniger unruhig, unaufmerksam, aggressiv, ängstlich oder depressiv. Damit wird auch die hohe alltagspraktische Relevanz des Programms für die Pädagogischen Fachkräfte deutlich (vgl. Hillenbrand, Hennemann & Schell 2016, S. 108ff.).
Das Steuerungsteam des Vielfaltsprojekts begleitet die Pädagogischen Fachkräfte beim ersten Programmdurchlauf im Jahr 2022 und erstellt gemeinsam mit dem Team einen Programmordner inklusive Materialsammlung, der für einen reibungslosen Programmdurchlauf erforderlich ist. Damit wird gewährleistet, dass auch nach Projektlaufzeit dieses Förderprogramm neben der wöchentlichen Vorschule fester Bestandteil unseres Kindergartenalltags wird und alle angehenden Schulkinder neben den kognitiven auch die sozialen und emotionalen Kompetenzen ausbauen und einem erfolgreichen Schulstart so nichts mehr im Wege steht.
Literatur:
Hillenbrand, C., Hennemann, T. & Schell, A. (2016). „Lubo aus dem All!“ – Vorschulalter. Programm zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen. (2. Aufl.). München, Basel: Ernst Reinhardt.
Bild: Madeline Cichos
Die Kita als diskriminierungssensibler Ort (Kindergarten Sonnenschein in Weimar)
22. Dezember 2021Rassismuskritik ist heute in aller Munde, doch was genau verbirgt sich dahinter? Was hat dieses Thema mit jeder:m Einzelnen und mit der Institution Kindergarten zu tun? Benjamin Ziegenhagen, der Leiter des Kindergartens Sonnenschein der AWO Weimar, hat sich mit seinem Team diesen Fragen gestellt und berichtet über die Erfahrungen mit dem rassismuskritischen Prozess in seiner Einrichtung.
Die Motivation, aktiv in diesen Prozess zu gehen, ergab sich während der Adventsgespräche im Dezember 2020 als Herr Ziegenhagen die Leitung der Kita übernahm. Es gab Mitarbeitende, die sich im Team nicht richtig akzeptiert fühlten und von Situationen berichteten, die für sie diskriminierend waren. Häufig war es den Betreffenden jedoch gar nicht bewusst, dass ihre Äußerungen rassistisch waren.
Daher entschloss sich der Leiter mit dem Team in einen tieferen Prozess zu gehen. Insgesamt wurden seitdem bereits zwei thematische Blöcke mit unterschiedlichem Fokus durchgeführt und ein weiterer ist für Anfang 2022 geplant. Der Austausch findet in kleinen Gruppen von drei bis fünf Mitarbeitenden statt, um einen sicheren Raum für einen offenen Austausch zu schaffen. Die erste Sequenz beinhaltete eine Sensibilisierungsphase, in der erst einmal besprochen wurde, was Rassismus genau umfasst und auch Raum dafür war, dass jede:r die eigene Sichtweise einbringen konnte. Die Aussagen wurden dann in einen fachlichen Hintergrund eingeordnet. Ausgehend davon wurde im zweiten Teil tiefer in Inhalte diskriminierungssensibler Pädagogik eingestiegen. In Begleitung durch die Kindersprachbrücke Jena wurden dazu Differenzkategorien wie Sprache, Alter, Geschlecht, Religion u.s.w. konkret besprochen. In diesem Teil wurde zudem über die rechtlichen Grundlagen von Antidiskriminierung gesprochen.
Wichtig war hierbei eine gemeinsame Haltung zu entwickeln, die auch nach außen hin als eine Art Hausregel aktiv kommuniziert und vertreten wird. Hierdurch ist es möglich, bei diskriminierenden und rassistischen Äußerungen klar sagen zu können: „Das hat hier bei uns keinen Platz.“
Um die Situation der Betroffenen von Alltagsrassismus und struktureller Diskriminierung besser nachvollziehen zu können, wurden Filmbeispiele gezeigt, die einen Perspektivwechsel ermöglichten und mehr Informationen über die Lebensumstände von z. B. Menschen mit Fluchtbiographie vermittelten. Im nächsten Schritt hat sich das Team mit konkreten Beispielen aus dem nahen Lebensumfeld beschäftigt. Diskutiert wurde, wie man sich positionieren kann, wenn man Zeuge rassistischer Handlungen wird.
Dabei waren Fragen wichtig wie: Was kann man machen? Wie weit kann ich gehen? Wann muss ich mich selber schützen? Was kann man sagen?
In drittem Block soll anhand von Rollenspielen geübt werden, sich in beispielhafte Situationen aus dem Kitaalltag zu begeben, um daran konkretes Agieren und Argumentieren zu üben und darüber zu reflektieren. Hierdurch kann sichergestellt werden, dass sich die gemeinsam entwickelte Haltung in der täglichen pädagogischen Arbeit, also im Kontakt und Dialog mit den Kindern und Eltern, widerspiegelt.
Wichtig ist es dem Team auch, die Eltern in diesem Prozess mitzunehmen, um gemeinsam den inklusiven Prozess zu gestalten. Hierzu werden in Elternabenden Themen aufgegriffen wie Stigmatisierung, Rassismus, Sexismus und Inklusion. Dadurch sei bereits ein offener Austausch entstanden. So haben sich Eltern nach diesen thematischen Elternabenden ermutigt gefühlt, schwierige und diskriminierende Situationen konkret anzusprechen. Mit den aufkommenden Themen setzt sich das Team dann aktiv auseinander. Dabei sind unterschiedliche Fragen wichtig: Wie habe ich reagiert? Wie hätte ich besser reagieren können?
Die Eltern sollen sagen können: Hier in der Kita da fühle ich mich wohl, da kann ich das ansprechen, da wird darauf geachtet.
Zudem gibt es im Kindergarten ein multikulturelles und multinationales Team. Eine wichtige Motivation für den rassismuskritischen Prozess war daher auch, dass sie ebenso wie keine Kinder und Eltern auch keine Kolleg:innen benachteiligen wollen. Dass die Kolleginnen im Rahmen des Vielfaltprojektes im Team tätig sind, ist bereits ein Ergebnis des aktiven Prozesses. Nur ein Jahr nach Beginn, im Dezember 2021, sind drei neue Kolleginnen aus unterschiedlichen Herkunftsländern für das Team gewonnen worden, die mit insgesamt sieben Sprachen den Kindern und deren Eltern im Kitaalltag zur Verfügung stehen.
Für die aus 16 Nationen stammenden Familien ist dies ein großer Gewinn, der gewährleistet, dass alle Familien mit ihren Erfahrungen, Sorgen und Problemen gehört werden und ihren Platz in der Kita finden können. Dies ist eine Herausforderung, der sich das Team stellt und auch zukünftig im Rahmen ihres Kompetenz-Prozesses stellen wird.
Verfasserin: Nadia v. Heyden nach einem Interview vom 25.11.2021 mit Benjamin Ziegenhagen












